Die Finanzkommission hat die aktuelle Lage analysiert und zentrale Kostentreiber identifiziert. Demnach droht eine erhebliche Finanzierungslücke: Bereits 2027 könnten mehr als 15 Milliarden Euro fehlen, bis 2030 könnte das Defizit auf über 40 Milliarden Euro anwachsen. Ohne Gegenmaßnahmen würden die Krankenkassenbeiträge deutlich steigen und sowohl Versicherte als auch Unternehmen stärker belasten.
Geplante Maßnahmen und Einsparungen
Um dem entgegenzuwirken, hat die Kommission insgesamt 66 Empfehlungen vorgelegt. Diese zielen darauf ab, die Finanzen kurzfristig zu stabilisieren und langfristig strukturelle Reformen anzustoßen. Für das Jahr 2027 werden Einsparungen von rund 20 Milliarden Euro angestrebt. Parallel soll die Kommission bis Ende 2026 weitere Vorschläge für tiefgreifendere Veränderungen erarbeiten.
Zu den konkreten Maßnahmen zählen unter anderem höhere Zuzahlungen für Medikamente, die je nach Packungsgröße steigen sollen. Zudem ist geplant, bestimmte Leistungen wie Homöopathie oder Hautscreenings vorerst nicht mehr von den Krankenkassen erstatten zu lassen. Auch verpflichtende Zweitmeinungen vor bestimmten medizinischen Eingriffen sollen eingeführt werden, um unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Ein besonders umstrittener Punkt ist das geplante Ende der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern ab 2028. Allerdings sind Ausnahmen vorgesehen, etwa für Kinder, Eltern kleiner Kinder, pflegende Angehörige sowie Rentner. Insgesamt soll das System stärker auf eine sogenannte einnahmeorientierte Ausgabenpolitik umgestellt werden – das heißt, die Ausgaben dürfen künftig nur noch im Rahmen der tatsächlichen Einnahmen wachsen.
Reform im Krankenhausbereich
Auch im Krankenhausbereich sind Veränderungen vorgesehen. So soll das Pflegebudget zwar weiterhin getrennt bleiben, aber stärker begrenzt und an die allgemeine Kostenentwicklung gekoppelt werden. Zudem sollen bestimmte Sonderregelungen für Krankenhäuser abgeschafft werden. Hier sieht die Kommission zusätzliche Einsparpotenziale in Milliardenhöhe bis zum Jahr 2030.
Die geplanten Einschnitte stoßen jedoch auf deutliche Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor massiven finanziellen Belastungen für Kliniken und spricht von einem möglichen „Kliniksterben“. Es drohten unkontrollierte Strukturveränderungen mit negativen Folgen für die Patientenversorgung und die Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Bewertung durch Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen bewerten die Reform grundsätzlich positiv, insbesondere die stärkere Kopplung von Ausgaben an Einnahmen. Kritisch sehen sie jedoch weiterhin die Finanzierung der Gesundheitskosten für Bürgergeldbeziehende, die größtenteils von den Beitragszahlern getragen wird. Aus ihrer Sicht wäre eine stärkere Finanzierung über Steuermittel notwendig, um mehr Gerechtigkeit im System zu schaffen.
Quellen
medhochzwei vom 15.04.2026
Bundesministerium für Gesundheit vom 30.03.2026


