Rückblick in die 1990er Jahre
Die damaligen Medizinabsolventinnen und -absolventen erlebten nach dem Studium ein Überangebot an jungen Medizinerinnen und Medizinern. Lange Wartelisten für Turnusplätze waren keine Seltenheit. Mancherorts wurde eine Zusage für eine Turnusstelle mit der Bedingung verknüpft, täglich ein bis zwei Stunden Mehrarbeit zu leisten. Zuweilen wurde Samstag bis mittags gearbeitet.
Damals gab es eine papierbasierte Dokumentation. Bestimmte Operationen, wie Mandel- oder Blinddarmoperationen, wurden häufiger durchgeführt als heute. Außerdem mussten Patientinnen und Patienten für eine Gallenblasenoperation meist etwa eine Woche im Krankenhaus bleiben. In den 1990er-Jahren war es üblich, bei vielen Krankheiten Bettruhe als eine gängige Therapie einzusetzen.
Mittlerweile hat sich die Verweildauer in den Spitälern um ein Drittel verringert, und die Robotik sowie die Digitalisierung veränderten die ärztliche Arbeitswelt. Chirurginnen und Chirurgen stehen nicht mehr nur am OP-Tisch, Operationsroboter hielten Einzug in der minimalinvasiven Chirurgie.
Doch nicht nur der technische Fortschritt brachte Veränderungen. Auch die neue Arzt-Patienten-Beziehung, komplexere Therapien und die Novellierung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes veränderten den Krankenhaus-Alltag.
Zudem stehen manche angestellten Ärztinnen und Ärzte heute nicht mehr im selben zeitlichen Umfang zur Verfügung, wie es vor zwanzig Jahren der Fall war. Die Einführung neuer Arbeitsmodelle (Teilzeit, Elternteilzeit, Reduktion von Nachtdiensten im Alter, ...) bedingt, dass Abgänge nicht immer eins zu eins kompensiert werden können. Sinkt die Versorgungsleistung je Arzt (Person), steigt der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten (gerechnet nach Köpfen). Eine Entwicklung, die Krankenhäuser zwingt, bestehende Personalberechnungen an neue Erwartungen anzupassen.
Österreichweit müssen in den nächsten zehn Jahren rund 1.900 Ärztinnen und Ärzte nachbesetzt werden. An den acht heimischen Universitäten beendeten im Studienjahr 2023/24 insgesamt 1.899 Personen ihr Medizinstudium (1.245 Österreicherinnen und Österreicher, 654 Nicht-Österreicherinnen und -Österreicher). Allein um die Aufrechterhaltung des Status quo zu gewährleisten, gilt es die junge Mediziner-Generation in Österreich zu halten.


