Gesundheit am Handy: Apps auf Rezept

Gesundheits-Apps ermöglichen es, Gesundheitsleistungen zeitnah, kostengünstig und niederschwellig anzubieten. Das Angebot an Gesundheits-Apps ist groß und unübersichtlich; zudem ist ihre Qualität häufig nicht ausreichend belegt. Beim European Health Forum Gastein (EHFG) wurde vergangene Woche über einen möglichen österreichischen Weg diskutiert.

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In Deutschland gibt es bereits etwas, wovon man in Österreich noch ein Stück weit entfernt ist: Ärztinnen und Ärzte können Patientinnen und Patienten Gesundheits-Apps auf Kosten der Krankenkasse verschreiben. Einige dieser Apps sind bereits verschreibungsfähig – die Hälfte davon im Bereich der mentalen Gesundheit. Zur Wirksamkeit liegen allerdings auch bei unseren Nachbarn bislang nur begrenzte Erkenntnisse vor. Siehe den Beitrag „Digitale Anwendung ohne Nutzen?“

Vertrauen in Empfehlung hoch

Eine Umfrage in Deutschland zeigte jedoch, dass 53 % der Bevölkerung digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) nur anwenden würden, wenn sie von der Regierung zertifiziert wären, und 33 % nur dann, wenn sie ärztlich verschrieben würden.

Für solche Gesundheits-Apps sollte es also auch in Österreich ein Regulierungssystem geben. Beim European Health Forum Gastein wurde eine geplante EU-Zertifizierung als mögliche Grundlage genannt. Petra Hoogendoorn vom Projekt Label2Enable berichtete von einer von der EU angestoßenen ISO-Zertifizierung für Gesundheits-Apps (ISO/TS 82304-2), die derzeit noch getestet wird. Die Bewertung des Zertifikats soll optisch dem EU-Energielabel ähneln. 

Der österreichische Weg wäre, dass das Ministerium nach Antrag eines App-Herstellers eine Liste mit Gesundheits-Apps erstellt, für die aufgrund ihrer nachgewiesenen Qualität eine Kostenübernahme infrage kommt. Der jeweilige Sozialversicherungsträger entscheidet dann über die konkrete Kostenerstattung. Ziel sei es, dass ärztlich verschriebene Gesundheits-Apps von der Sozialversicherung bezahlt werden, so Michael Müller von der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS). Die SVS arbeitet zurzeit gemeinsam mit dem Psychologenverband selbst an einem Programm für Versicherte, das in der ersten Stufe mithilfe eines wissenschaftlich fundierten, validierten Fragebogens einen „Mental-Health-Check“ ermöglicht. Dieser liefert eine erste Einschätzung dazu, ob Hilfe notwendig ist. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine Online-Beratung durch einen Therapeuten und abschließend die eigentliche Behandlung.

Digital-Health-Paradoxon

Dabei zeigt sich dasselbe Problem wie bei vielen anderen Gesundheitsangeboten: Gesundheits-Apps werden vor allem von jungen und gutverdienenden Menschen genutzt. Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status seien jedoch deutlich stärker durch psychische Erkrankungen gefährdet, sagt Robin von Kessel von der London School of Economics.

Quelle

MedMedia vom 4.10.2026