Gesundheitshotline 1450: von der Corona-Hotline zum Patientenlenkungstool

Seit 2019 kann ganz Österreich unter der Nummer 1450 Informationen zu gesundheitlichen Themen erhalten. Doch gleich im Folgejahr mutierte das Projekt aufgrund der Pandemie zur „Corona-Hotline“. Der Service kämpfte mit einem schlechten Image aufgrund langer Wartezeiten, denn auf den COVID-bedingten Ansturm war man nicht vorbereitet. Wo steht 1450 heute und was bringt die Zukunft?

Bereits 2013 wurde im Rahmen des Zielsteuerungsvertrages die Fortführung vom vormaligen TE-WEB als Gesundheitshotline 1450 beschlossen. Im April 2017 wurde dann der Pilotbetrieb in Niederösterreich, Vorarlberg und Wien aufgenommen. Vor der bundesweiten Ausrollung wurde eine erste Evaluierung durchgeführt, die sehr vielversprechend ausgefallen ist. Über 70% der Anrufer folgten der Empfehlung von 1450, die Zufriedenheit der Patienten war hoch und die Triagierung durch das genutzte Expertensystem funktionierte sehr sicher. Eine Entlastung von Spitalsambulanzen durch 1450 zeichnete sich ab und neben dem niedergelassenen Bereich wurde eine weitere Ebene der Versorgung gestärkt: die Selbstversorgung. Die bundesweite Ausrollung des Service wurde daher beschlossen und seit November 2019 ist die telefonische Gesundheitsberatung aus ganz Österreich erreichbar. 

Was ist 1450?

Der telefonische Service soll als niederschwellige Erstanlaufstelle für gesundheitliche Fragen und akute Beschwerden fungieren, die keinen medizinischen Notfall darstellen. Die Nummer ist rund um die Uhr (ohne Vorwahl) erreichbar und soll Patientinnen und Patienten an die richtige Stelle weitervermitteln bzw. Ratschläge zur Selbstversorgung geben. Neben den Vorteilen, die sich daraus für das Gesundheitswesen ergeben (Effizienzsteigerungen, mögliche Kosteneinsparungen), profitieren aber auch Patienten von geringeren Reise- und Wartezeiten und der Vermeidung unnötiger Wege durch das Gesundheitssystem. Die Beratung erfolgt durch speziell geschultes diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, das Empfehlungen auf Basis eines medizinisch-wissenschaftlichen Abfragesystems gibt. Das gemeinsame Projekt des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, des Dachverbands der Sozialversicherungsträger und der Bundesländer orientiert sich dabei an internationalen Standards. Im aktuellen Bundeszielsteuerungsvertrag ist die Gesundheitshotline als strategisches Instrument zur Steuerung von Patientenströmen angeführt.

Corona-Hotline

Als ab 2020 das Coronavirus unser Gesundheitssystem in Atem hielt, wurde die telefonische Gesundheitsberatung als erste Anlaufstelle für Fragen und Gesundheitsanliegen angepriesen. “Wenn sie Symptome haben, rufen sie bei 1450 an.”, so oder so ähnlich lauteten die Aufrufe damals.  Im März 2020 wurden daraufhin alleine in Wien 170.000 Anrufe registriert, was das ganze Jahr 2019 übertraf. Es folgten Spitzen von österreichweit bis zu 70.000 Anrufen pro Tag im Jahr 2021. Trotz massiven Personalaufstockungen konnten diese Anruferzahlen nur schwer bewältigt werden und es kam zu längeren Wartezeiten, was der „Corona-Hotline“ ein schlechtes Image bescherte. Dennoch konnte auch die Zahl der nicht Corona-indizierten Gesundheitsberatungen von 10.300 Anrufern im Jahr 2021 auf 17.400 Anrufern im Jahr 2022 gesteigert werden. Im Jahr 2023 wurden etwa 3.100 Anrufe pro Tag entgegengenommen. Im ersten Halbjahr 2025 zählte man in Oberösterreich 60.000 Anrufe mit 16.000 Gesundheitsberatungen, Tendenz steigend.

Evaluierung 2023

Für das Jahr 2023 wurde von der Gesundheit Österreich GmbH eine erneute Evaluierung der Gesundheitshotline durchgeführt. Dabei zeigten sich geringe Wartezeiten (80 Prozent der Anrufer warteten unter 5 Minuten). Die häufigsten Gründe für einen Anruf waren Fieber, Covid-Verdacht, Bauchschmerzen, Husten, Schwindel und Erbrechen sowie Kopf-, Brust- und Rückenschmerzen. Am häufigsten wurde seitens 1450 eine Behandlung außerhalb des Spitals empfohlen (30,5%), gefolgt von Selbstversorgungsmaßnahmen (25,7%). Den Selbstversorgungsempfehlungen von 1450 folgten hohe 99,1% der Personen und über 90% bewerteten diese Maßnahmen als passend und hilfreich. Weitere 22,5% der Anrufer wurde ein Spitalsbesuch empfohlen. Auch die weitervermittelten Personen empfanden die Empfehlung zu 90% als richtig und hilfreich. Das Vertrauen in die Beratung durch die Gesundheitshotline ist dabei sehr hoch und auch die Verständlichkeit der Auskünfte wird als sehr gut bewertet.

Patientenlenkung

Bei der Evaluierung sollte auch der Effekt auf Patientenentscheidungen hinsichtlich der Behandlungsebene untersucht werden, wobei die Analyse deutliche Lenkungseffekte zeigte. Vor dem Anruf bei 1450 hätten sich 34,2% der Patienten für einen Spitalsbesuch entschieden, tatsächlich nahmen dann nur 23,2% einen solchen in Anspruch. Der Großteil der eingesparten Spitalsversuche verschiebt sich in den niedergelassenen Bereich und in die Selbstversorgung. Im niedergelassenen Bereich steigt die Inanspruchnahme durch 1450 entsprechend an (+11%). Und auch bei der Selbstversorgung steigt der Anteil um 10,7 Prozent. Die Gesundheitshotline zeigt also einen signifikanten Einfluss auf die Versorgungsentscheidung der Patienten. Die Entlastung der Spitäler und die Zunahme bei der Selbstversorgung deuten auf eine Entlastung des Gesundheitssystems durch 1450 hin. Mehr Ergebnisse der Evaluierung können in der nächsten Zeitschrift für Gesundheitspolitik in einem Beitrag der GÖG Gesundheit Österreich GmbH lesen (Gredinger Et al). In der Ausgabe erwarten Sie außerdem noch andere spannende Beiträge zur Patientenlenkung.

Bundesweite Vereinheitlichung

Bisher stehen in den neun Bundesländern neben der Gesundheitsberatung unterschiedliche Dienste über die Nummer 1450 zur Verfügung. In Oberösterreich kann etwa ein telemedizinischer Dienst (Teleärztin / Telearzt) in Anspruch genommen werden, der auch eRezepte ausstellen kann. Außerdem ist der 1450-Check-In für alle Spitäler in OÖ ausgerollt und die Schlaganfallvorverständigung soll im 1. Quartal 2026 für alle Spitäler zur Verfügung stehen. In Wien wird 1450 vom Fonds Soziales Wien betrieben. Hier können über die Nummer auch Impftermine der Stadt Wien gebucht und ein Platz im Wunschkrankenhaus für die Geburt vorgemerkt werden. In der Bundeshauptstadt stellen darüber hinaus niedergelassene Ärzte und PVEs TerminSlots für die Buchung über 1450 zur Verfügung. Ein weiterer Wiener Service ist oncare, bei dem für Patienten mit Krebsverdacht ein Termin in einer passenden Fachambulanz organisiert wird – innerhalb von 10 Werktagen. In der Steiermark können über 1450 Termine in Spitalambulanzen eingebucht werden.
Ende 2025 hat die Bundes-Zielsteuerungskommission ein bundesweit einheitliches Basisangebot für die Gesundheitshotline beschlossen. Besonders wichtig ist eine Vereinheitlichung des Qualitätsstandards, etwa dass bei Bedarf im Hintergrund auf Ärzte zurückgegriffen werden kann. Aber auch die Verfügbarkeit des Service in mehreren Sprachen ist ein wichtiger Punkt. Sofern notwendig, sollen künftig Daten auch in ELGA gespeichert werden. Im weiteren Verlauf soll 1450 bundesweit folgende Leistungen anbieten: eine direkte Terminvereinbarung in Ordinationen und in Spitälern, ärztliche Videokonsultationen inklusive Krankschreibung und eRezept-Ausstellung, die Vermittlung an andere Gesundheitsberufe wie z.B. eine Pflegeberatung und eine stärkere Verknüpfung mit dem Gesundheitsportal (www.gesundheit.gv.at) und digitalen Gesundheitsapps.

Unter dem Motto „Digital vor ambulant vor stationär“ soll 1450 ein starkes Instrument in der Patientensteuerung sein und werden. Und obwohl bei den Anruferzahlen noch Luft nach oben besteht, zeigen die Zahlen, dass der Weg in die richtige Richtung führt.
Gerne können Sie die kommende Zeitschrift für Gesundheitspolitik unter lig@ligforschung.at oder auf unserer Homepage kostenfrei vorbestellen.

Mag. Katharina Wieser
Linzer Institut für Gesundheitssystem-Forschung