Bei der Podiumsdiskussion wurde allerdings von Prim. Dr. Matthias Kölbl, der die Notfallambulanz im Ordensklinikum der Elisabethinen leitet, angemerkt, dass 1450 noch großes Potenzial nach oben habe, denn die Anruferzahlen seien derzeit gering. Der Anteil der ungelenkten Personen liege in der Ambulanz derzeit bei 99%, wodurch der Effekt derzeit verschwindend sei. Jedoch soll 1450 weiter ausgebaut werden, künftig mehr Funktionen bieten (z.B. Anbindung an ELGA) und stärker als erste Anlaufstelle beworben werden. Laut Dr. Gredinger ist die Anbindung an ELGA technisch schon heute umsetzbar, es stünden aber noch datenschutzrechtliche Hürden im Weg. Dr. Niedermoser meinte, es brauche eine gemeinsame Informationskampagne, die Patienten in den Randzeiten zu 1450 lenkt. Der Grundsatz „digital vor ambulant vor stationär“ müsse in den Köpfen der Bevölkerung stärker verankert werden.
Das zweite Inputstatement wurde von Prim. Dr. Gerhard Postl, dem Leiter der Notaufnahme im LKH Graz II – West, gehalten. Er berichtete von einer Erstversorgungsambulanz, die er gemeinsam mit dem UKH Graz ins Leben rief, um dort niedrig triagierte Patienten zu versorgen und den Ambulanzen damit eine Konzentration auf ihre Kernaufgaben zu ermöglichen. In der internistischen Notaufnahme im LKH und der Notaufnahme im UKH ist die Entlastung einerseits beim Personal subjektiv spürbar, jedoch auch in Zahlen belegbar. Die Entlastung ist dabei im UKH größer, dort kann durch die EVA heute sogar ein weiterer OP-Saal bespielt werden. Und auch die Patientenzufriedenheit ist in der EVA aufgrund der gebotenen Leistungen und der niedrigen Wartezeiten sehr hoch.
Die angeregte Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung lieferte noch weitere Ideen zur Patientensteuerung. Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander kann sich etwa auch eine Steuerung über Versicherungsmodelle vorstellen, die günstigere Tarife im Gegenzug von Selbstbehalten oder verpflichtenden Erstanlaufstellen (z.B. Ordinationen, 1450) anbieten. Einig war man sich am Podium jedenfalls darüber, dass es künftig eine verpflichtende Patientenlenkung geben muss, denn die Vergangenheit zeige, dass „Gutes Zureden und Informationsmaßnahmen“ nicht ausreichen würden. Präsident Dr. Niedermoser betonte allerdings, dass zuerst alle Straßen und Zufahrten im Gesundheitssystem durchgängig asphaltiert sein müssten, bevor man eine verpflichtende Patientenlenkung mit Selbstbehalten einführen könne. Die ÖGK ist daher zuerst gefordert, Arbeitsbedingungen im niedergelassenen Bereich zu schaffen, die wieder mehr Kolleginnen und Kollegen in die Niederlassung bringen. Anstelle einer Erstversorgungsambulanz kann sich Haberlander gut ein dem Krankenhaus räumlich vorgelagertes PVE vorstellen, das Patienten abfängt, die aus Gewohnheit immer gleich ins Krankenhaus gehen. Es brauche jedoch für jedes Spital eine individuelle Lösung, denn die Bedingungen wären in Rohrbach anders als in Kirchdorf oder im KUK.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Initiator des Gesundheitspolitischen Gesprächs, Dr. Felix Wallner, durch Präsident Dr. Niedermoser verabschiedet. Ein herzliches Dankeschön für die jahrelange wissenschaftliche Betreuung!
Mehr Informationen zu den Vorträgen und weitere Themen zur Patientensteuerung finden Sie in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift für Gesundheitspolitik, die Sie auf unserer Homepage kostenfrei abonnieren können.
Wir bedanken uns für die Unterstützung durch die LGT-Bank!
Bericht auf der Homepage der ÄKOÖ
Bericht auf facebook