Besucherrekord beim Gesundheitspolitischen Gespräch

Am Mo, 23. Februar war der Brennersaal in der Ärztekammer für OÖ gut gefüllt, denn Patientensteuerung interessiert und bewegt die Gemüter. „Wie es ist, kann es nicht bleiben!“ und „Mut zu neuen Ideen!“ waren die Slogans der Veranstaltung.

v.l.: Martin Anker und Dominic Berner (LGT Bank), LH-Stv. Mag.a Christine Haberlander (Land OÖ), Dr. Gerald Gredinger (GÖG), Prim. Dr. Matthias Kölbl (Elisabethinen Linz), Präsident Dr. Peter Niedermoser (ÄKOÖ), Prim. Dr. Gerhard Postl (LKH Graz II – West)

Der erste Sprecher des Abends, Dr. Gerald Gredinger von der GÖG - Gesundheit Österreich Gmbh, referierte über die Evaluierung der Gesundheitshotline 1450. Vor allem im städtischen Bereich zeigt die Anlaufstelle einen starken Lenkungseffekt, aber auch in ländlichen Gegenden bleibt ein deutlicher Effekt. Durch die Gesundheitsberatung 1450 lassen sich vor allem Patientenkontakte in den Spitalsambulanzen reduzieren. Diese Patienten werden hauptsächlich in den niedergelassenen Bereich und in die Selbstversorgung umgeleitet, wodurch Einsparungen im System entstehen. Die Anrufer und Anruferinnen sind mit dem Service durchwegs zufrieden (>90%): Die Kommunikation ist klar und verständlich, die Patienten fühlen sich ernst genommen, vertrauen ihrem Gegenüber und haben genügend Zeit, um ihr Anliegen zu schildern. Die Empfehlungen der Hotline werden als hilfreich und richtig bewertet und vor allem gibt es eine hohe Adhärenz: Rund 77% der Anrufer suchten tatsächlich den empfohlenen Point of Care auf. Pro 100 Anrufer spart die Hotline 7 Rettungstransporte und 14 Krankenhausbesuche ein. Das ist wertvolle Zeit, die für die Betreuung von wirklichen Notfällen bleibt.

Bei der Podiumsdiskussion wurde allerdings von Prim. Dr. Matthias Kölbl, der die Notfallambulanz im Ordensklinikum der Elisabethinen leitet, angemerkt, dass 1450 noch großes Potenzial nach oben habe, denn die Anruferzahlen seien derzeit gering. Der Anteil der ungelenkten Personen liege in der Ambulanz derzeit bei 99%, wodurch der Effekt derzeit verschwindend sei. Jedoch soll 1450 weiter ausgebaut werden, künftig mehr Funktionen bieten (z.B. Anbindung an ELGA) und stärker als erste Anlaufstelle beworben werden. Laut Dr. Gredinger ist die Anbindung an ELGA technisch schon heute umsetzbar, es stünden aber noch datenschutzrechtliche Hürden im Weg. Dr. Niedermoser meinte, es brauche eine gemeinsame Informationskampagne, die Patienten in den Randzeiten zu 1450 lenkt. Der Grundsatz „digital vor ambulant vor stationär“ müsse in den Köpfen der Bevölkerung stärker verankert werden.

Das zweite Inputstatement wurde von Prim. Dr. Gerhard Postl, dem Leiter der Notaufnahme im LKH Graz II – West, gehalten. Er berichtete von einer Erstversorgungsambulanz, die er gemeinsam mit dem UKH Graz ins Leben rief, um dort niedrig triagierte Patienten zu versorgen und den Ambulanzen damit eine Konzentration auf ihre Kernaufgaben zu ermöglichen. In der internistischen Notaufnahme im LKH und der Notaufnahme im UKH ist die Entlastung einerseits beim Personal subjektiv spürbar, jedoch auch in Zahlen belegbar. Die Entlastung ist dabei im UKH größer, dort kann durch die EVA heute sogar ein weiterer OP-Saal bespielt werden. Und auch die Patientenzufriedenheit ist in der EVA aufgrund der gebotenen Leistungen und der niedrigen Wartezeiten sehr hoch. 

Die angeregte Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung lieferte noch weitere Ideen zur Patientensteuerung. Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander kann sich etwa auch eine Steuerung über Versicherungsmodelle vorstellen, die günstigere Tarife im Gegenzug von Selbstbehalten oder verpflichtenden Erstanlaufstellen (z.B. Ordinationen, 1450) anbieten. Einig war man sich am Podium jedenfalls darüber, dass es künftig eine verpflichtende Patientenlenkung geben muss, denn die Vergangenheit zeige, dass „Gutes Zureden und Informationsmaßnahmen“ nicht ausreichen würden. Präsident Dr. Niedermoser betonte allerdings, dass zuerst alle Straßen und Zufahrten im Gesundheitssystem durchgängig asphaltiert sein müssten, bevor man eine verpflichtende Patientenlenkung mit Selbstbehalten einführen könne. Die ÖGK ist daher zuerst gefordert, Arbeitsbedingungen im niedergelassenen Bereich zu schaffen, die wieder mehr Kolleginnen und Kollegen in die Niederlassung bringen. Anstelle einer Erstversorgungsambulanz kann sich Haberlander gut ein dem Krankenhaus räumlich vorgelagertes PVE vorstellen, das Patienten abfängt, die aus Gewohnheit immer gleich ins Krankenhaus gehen. Es brauche jedoch für jedes Spital eine individuelle Lösung, denn die Bedingungen wären in Rohrbach anders als in Kirchdorf oder im KUK.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Initiator des Gesundheitspolitischen Gesprächs, Dr. Felix Wallner, durch Präsident Dr. Niedermoser verabschiedet. Ein herzliches Dankeschön für die jahrelange wissenschaftliche Betreuung!

Mehr Informationen zu den Vorträgen und weitere Themen zur Patientensteuerung finden Sie in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift für Gesundheitspolitik, die Sie auf unserer Homepage kostenfrei abonnieren können. 
Wir bedanken uns für die Unterstützung durch die LGT-Bank!

Bericht auf der Homepage der ÄKOÖ

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