Hitzeschutz in Spitälern: Wenn hohe Temperaturen zur Gesundheitsgefahr werden

Hitzewellen gehören längst nicht mehr zu den Ausnahmeereignissen des Sommers, sondern werden laut Prognosen immer häufiger vorkommen und länger andauern. Mit den steigenden Temperaturen wachsen auch die Herausforderungen für das Gesundheitswesen. Spitäler stehen vor der Aufgabe, Patientinnen und Patienten sowie das Personal vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu schützen. Ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen reagieren besonders empfindlich auf hohe Temperaturen. Hitze kann den Kreislauf belasten, zu Flüssigkeitsmangel führen und die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen. Gleichzeitig steigt während Hitzewellen die Zahl hitzebedingter Notfälle und Krankenhausaufnahmen.

Fotocredit (c) adobe stock / mushfiqhossein

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen Krankenhäuser auf umfassende Hitzeschutzkonzepte. Das österreichische Gesundheitsministerium empfiehlt Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen die Umsetzung von Hitzeschutzplänen. Diese regeln, welche Maßnahmen je nach Hitzewarnstufe ergriffen werden – von der engmaschigen Beobachtung besonders gefährdeter Patientinnen und Patienten über regelmäßige Flüssigkeitsangebote bis hin zur Anpassung von Pflege- und Therapieabläufen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Gebäudetechnik. Vollklimatisiert sind in österreichischen Spitälern in der Regel nur jene Bereiche, in denen dies aus hygienischen oder medizinischen Gründen vorgeschrieben ist – etwa Operationssäle, Intensivstationen, Apotheken oder Zentralküchen. In normalen Patientenzimmern kommen stattdessen, wenn überhaupt, andere Kühlsysteme zum Einsatz. Manche Krankenhäuser nutzen Bauteilaktivierungen, bei denen Decken, Wände oder Böden über wassergeführte Systeme gekühlt werden. Größere Kliniken wie das Wiener AKH sind an das Fernkältenetz angeschlossen. Andere Häuser setzen auf gekühlte Lüftungsanlagen oder spezielle Kälteregister, die angenehm temperierte Luft in die Stationen bringen. Auf mobile Klimageräte oder Ventilatoren wird in Patientenzimmern hingegen weitgehend verzichtet. Sie können Zugluft verursachen und unter Umständen Keime oder Staubpartikel in der Raumluft verwirbeln, was insbesondere für immungeschwächte Patientinnen und Patienten problematisch sein kann.

Neben technischen Lösungen gewinnen auch einfache Maßnahmen an Bedeutung. Außenjalousien oder automatisierte Beschattungssysteme verhindern, dass sich Räume unnötig aufheizen. Gelüftet wird bevorzugt in den kühlen Morgen- und Nachtstunden, teilweise nach eigens festgelegten Lüftungsplänen. Darüber hinaus achten Pflegekräfte verstärkt darauf, dass Patientinnen und Patienten ausreichend trinken. Auch die Speisepläne werden während Hitzeperioden angepasst und enthalten vermehrt leichte, wasserreiche Mahlzeiten.

Langfristig spielt der bauliche Hitzeschutz eine immer größere Rolle. Bei Neubauten und Sanierungen werden verbesserte Dämmungen, begrünte Fassaden und Dächer sowie moderne Beschattungssysteme bereits mitgeplant. Ziel ist es, die Innenräume auch ohne energieintensive Kühlung möglichst angenehm temperiert zu halten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), aber auch der Nationale Hitzeschutzplan Österreichs, betonen, dass widerstandsfähige Gesundheitseinrichtungen ein wesentlicher Bestandteil der Klimaanpassung sind. Angesichts häufiger werdender Hitzewellen wird Hitzeschutz in Spitälern künftig weiter an Bedeutung gewinnen – nicht nur zum Schutz der Patientinnen und Patienten, sondern auch, um gute Arbeitsbedingungen für das medizinische Personal und eine sichere Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Trotz zahlreicher Maßnahmen besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Viele Krankenhäuser befinden sich in älteren Gebäuden, die ursprünglich nicht für langanhaltende Hitzeperioden konzipiert wurden. Der nachträgliche Einbau eines Kühlsystems oder die Umsetzung umfassender Sanierungen sind kostenintensiv - und das in einem Bereich, der ohnehin von steigenden Kosten und Finanzierungsengpässen betroffen ist. Daher wird die konkrete Umsetzung sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Quellen und weitere Informationen

Nationaler Hitzeschutzplan Österreich

Hitzeschutz- und Hitzeaktionspläne der Bundesländer

WHO-Leitfaden zu Hitzeaktionsplänen

MedMedia vom 3. Juli 2026