Eine Lesung aus der von der LGT Bank Österreich finanzierten Reihe „Fürs Schreiben leben“. Gast von Christian Schacherreiter war Reinhard Kaiser-Mühlecker, bereits zum zweiten Mal zu einer Lesung in die Ärztekammer geladen. Wie die Besucherzahl von über 90 zeigte, verfügt er bei Literaturfreunden über eine Zugkraft, wie sie sich ein Bauer früher für seine Feldochsen nur wünschen konnte. Der ungewöhnliche Vergleich kommt nicht von ungefähr, ist Kaiser-Mühlecker doch Landwirt mit abgeschlossenem Studium der Agrarwissenschaften und eigenem Hof. „Ich kann nicht sagen, ob ich hauptberuflich Schriftsteller und Nebenerwerbs-Landwirt bin, oder umgekehrt“, machte er klar, dass beides den gleichen Stellenwert in seinem Leben hat.
OMR Dr. Johannes Neuhofer führte mit der groben Vorstellung von Autor und Werk in den Abend ein und erwähnte dabei auch seinen eigenen familiären Bezug zur Landwirtschaft. Aufgrund der vielen Auszeichnungen nannte er nur die wichtigsten – zuletzt der Österreichische Buchpreis im vorigen November für den Roman „Brennende Felder“ (Verlag S. Fischer, 2024). Begrüßen konnte er diesmal wieder Hon.-Prof. Dr. Felix Wallner, den Begründer und Mentor der Literaturveranstaltungen.
Fürs Schreiben und die Landwirtschaft brennend
Wie man es von Christian Schacherreiter kennt, stellte er den Autor umfassend vor. Am Anfang die Frage nach der Schulzeit, speziell in Deutsch. So erfuhr die Hörerschar, dass Kaiser-Mühlecker in der Volksschule als „Lesekönig“ einen frühen Start hinlegte, das Lesen-Müssen vorgegebener Bücher in ihm dann aber eher eine Trotzhaltung auslöste, bevor er bei seinem Auslandsdienst in Bolivien 2001 „zum Leser und schnell auch zum Schreiber“ wurde. Bis zum Schritt in den öffentlichen Literaturbetrieb war es trotzdem „der längste und schwerste Weg, denn ich hatte den Drang zu schreiben – aber worüber, wollte ich doch meine eigene Stimme finden“. So erläuterte der Autor, warum noch Jahre bis zu seinem Debütroman vergehen sollten. Diesen besonderen Einschlag fand er im bäuerlichen Milieu. Mit „Der lange Gang über die Stationen“, geschrieben im Winter 2005/2006, war der Grundstein als erfolgreicher Schriftsteller gelegt, mit einem renommierten Verlagshaus (Verlag Hoffmann und Campe, 2008) und großartiger Aufnahme bei Lesern und Fachpresse. Die erste Leseprobe galt daher auch diesem Werk, die letzte den „Brennenden Feldern“.
Wer nun mit brennender Neugier auf die nächsten Kammerlesungen wartet: Am 29. April hat Gustav Ernst wieder eine „Literarische Begegnung“, am 17. Juni empfängt Christian Schacherreiter Thomas Baum, mit Band-Begleitung.


